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Mein Sprung ins Unbekannte

Manchmal muss man einfach springen und sich auf dem Weg nach unten Flügel wachsen lassen. (Ray Bradbury)

Vor genau drei Jahren habe ich meinen Bürojob gekündigt. Dieser Tag hat alles verändert. Jetzt schaue ich zurück und bin heilfroh, dass ich den Sprung ins Unbekannte gewagt habe. Denn hinter der Tür der Ungewissheit wartete die lang ersehnte Freiheit. Doch diese fiel nicht einfach vom Himmel. Meinen Job hinzuschmeißen markierte erst den Anfang einer langen Reise. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, wohin sie mich führen würde.

Der erste Schritt

Ende Januar 2017 reichte ich pochenden Herzens meine Kündigung ein. Mir war den ganzen Tag übel und ich konnte nichts essen, so nervös war ich. Ich wusste, es gäbe kein Zurück mehr, sobald ich diesen Schritt gehen würde. Denn es war nicht nur der Job, der auf dem Spiel stand. Ich nahm in Kauf, dass ich mein Bleiberecht in dem Land verlieren würde, das ich seit sieben Jahren mein Zuhause nannte. Ich lebte im sonnigen Kapstadt, zwischen Bergen und Meer, doch 45-50 Stunden die Woche verbrachte ich zwischen Bürostuhl und Computerbildschirm. Mein Visum war an den Job gekettet und meine Seele an den Schreibtisch. Meine Stelle war für dortige Verhältnisse gut bezahlt, ich hatte Führungsverantwortung und nette Kollegen. Aber auch viel Stress und keine Sinnerfüllung. Ich wollte einfach nicht mehr nur für die Wochenenden leben und die Jahre vorbeiplätschern lassen. Also wagte ich schließlich den Sprung in die Ungewissheit.

Im freien Fall

Anstatt meiner Zukunft als freier Mensch entgegenzufiebern und voller Tatendrang den nächsten Schritt zu planen, fiel ich erst einmal in ein tiefes Loch. Panik überkam mich, denn ich hatte keine Ahnung, wohin ich gehen sollte und was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Lange hatte ich versucht, während der Arbeit nach Alternativen zu suchen und mir einen Plan zurechtzulegen. Ich wollte die Sicherheit vor dem Absprung. Aber mir wurde klar, dass ich zuerst springen müsste, im Vertrauen, dass sich ein Netz auftun und mich fangen würde.

Ich wusste, ich müsste mir zuerst Zeit nehmen, mich von den Strapazen des Bürojobs und der vergangenen Jahre zu erholen. Außerdem war ich mit dem Gesetz der Anziehung vertraut: Was ich ausstrahle, ziehe ich an. Ich strahlte Verzweiflung aus, Angst und Panik. Außerdem trug ich ein schweres Gemüt im Kopf und ein trauriges Herz in der Brust. In dem Zustand hätte ich nicht sofort meine wahre Berufung finden und mein Traumleben gestalten können. 


Zuerst sollte ich im freien Fall meinen Ballast abwerfen und in mir aufräumen.

In die Tiefe

Planlos zog ich los und machte mich auf eine Reise. Etwas von der Welt sehen wollte ich, einen neuen Ort finden, wo ich mich wohlfühlen und niederlassen könnte. Dann merkte ich, dass es wirklich egal war, wo ich mich aufhielt, am schönen sonnigen Strand in Mosambik, in der Favela in Sao Paulo oder mitten im Amazonas. Alles, was ich in mir trug, hatte ich dabei und es zog mich immer weiter hinunter. Also begann ich, hoch oben in den Bergen noch tiefer in mich selbst zu gehen.

Was hoch hinaus will, muss tief wurzeln. Darüber habe ich schon einmal geschrieben. Meine Wurzeln waren verkümmert und auf sie konnte ich nicht aufbauen. Also ging ich ganz nach unten in mein Bewusstsein, um sie herauszureißen. Ich heilte meine Wunden, die einen dunklen Schatten über meine Wahrnehmung geworfen hatten. Dann pflanzte ich einen Samen neuen Vertrauens. Zum Glück half mir mein Vater von der anderen Seite aus.

Der Aufstieg

„Je härter du aufprallst, desto höher fliegst du“, sagte vor Jahren einmal ein Freund zu mir. Auch wenn ich jetzt gerne schreiben würde, dass dann das Happy End kam und seither alles supidupi ist und ich mein schönes neues Leben lebe, war mein Aufstieg doch nicht ganz so geradlinig. Bergab geht es bekanntlich schneller als bergauf, das weiß jeder, der schon einmal gewandert ist. Langsam und etwas wackelig auf den Beinen kraxelte ich nach oben. Mit ein paar Zwischenstopps und ganz nach dem Prinzip, einen Schritt zurück und dann zwei nach vorne.

Was ich auf dem Weg gelernt habe ...

Mittlerweile habe ich mich an die Ungewissheit und die latente Angst gewöhnt, die die Freiheit mit sich bringt. Das einzige, was wirklich absolut sicher im Leben ist, ist die Tatsache, dass wir irgendwann sterben und nicht wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist. Alle anderen Sicherheiten sind bloß Illusionen, an die wir uns klammern, um unseren Kopf zu beruhigen. Denn er ist es, der mit seinen Ängsten und Zweifeln dafür sorgt, dass wir festhalten am Altbekannten, auch wenn es uns nicht länger nützlich ist, weder für unser Glück noch unsere persönliche und spirituelle Weiterentwicklung.

Es geht nicht darum, die Angst zu besiegen, damit sie ein für alle Mal verschwindet und dann erst damit anzufangen, Neues auszuprobieren oder lang aufgeschobene Träume zu verwirklichen. Dieser Moment wird nie kommen. Es ist die Angst selbst, die dafür sorgt, dass sie bleiben kann. Denn sie hält fest wie ein Klammeräffchen. Also nimm sie mit! Mutige Menschen haben Angst. Sie gehört einfach dazu. Sie steckt auch in der Nervosität und Aufregung, die jeder fühlt, wenn etwas Neues und lang herbeigesehntes geschieht. Angst zeigt dir, mit wie viel Ungewissheit du es zu tun hast und diese wiederum ist die Schwester der Freiheit.


Die Angst steckt im Kopf, der nach Sicherheit sucht. Die Freiheit wohnt im Herzen, das vertrauensvoll einen Schlag nach dem anderen macht, ohne seinen letzten zu fürchten. 

…über den Umgang mit der Angst

Natürlich will der Umgang mit der Angst geübt sein, denn sie kann einem ganz schön auf den Geist gehen. Da die Angst im Kopf entsteht, ist es daher ratsam, diesen mit etwas zu beschäftigen und ihm am besten einen provisorischen Plan zu geben. Der Kopf kann ziemlich laut werden, vor allem, wenn du ihm sagst: „Das mit der Sicherheit, das kannste knicken“. Also gib ihm etwas, woran er sich festhalten kann, einen Plan, auch wenn er nur eine Woche oder einen Monat weit reicht und du bereit bist, ihn jederzeit umzuwerfen. Gib ihm ein Mantra, lass ihn im Kopf Lieder trällern oder sich deine schönste Zukunftsvision ausmalen. Gib ihm Aufgaben, die die Angst nicht schüren. Sei wachsam und sei dir stets bewusst, was da oben abgeht. Lass den Kopf etwas tun - unter Aufsicht. Spiele mit deinen Gedanken aber lass nicht zu, dass sie ihr böses Spiel mit dir treiben.

Wenn der Kopf eine Beschäftigung hat, fällt es dem Herzen leichter, die Regie zu übernehmen und den Weg zu beschreiten, der sich tief im Inneren richtig anfühlt. In die Richtung, aus der die Seele lauthals flüstert.

Dein Kopf ist voll mit „was die anderen sagen“, was du irgendwo aufgeschnappt hast und was dir beigebracht wurde, als du noch nicht einmal denken konntest. Er brabbelt viel und meistens das Gleiche. Er kann maximal neun Gedanken aneinanderreihen, dann fängt er von vorne an. Deinem Gefühl jedoch kannst du vertrauen. Dein Herz ist das Sprachrohr deiner Seele.

…über den Weg des Herzens

Was dein Herz oder deine Seele dir mitteilt fühlt sich stets gut an. Rede dir nicht ein, dass dein Herz von dir erwartet, in irgendeiner Weise zu leiden. Dein Kopf – deswegen ist es so wichtig ihn zu beschäftigen – spielt nämlich gerne Verkleidung. Er will dir einreden, dass ein Gedanke ein Gefühl ist und du dem schlechten Gefühl folgen sollst. Wie bereits erwähnt, beinhaltet dein Kopf Denkweisen, die dir beigebracht wurden oder du dir selbst angeeignet hast, als du noch ganz jung und unschuldig warst. Je eher du erkennst, wo die Denk- und Verhaltensmuster herkommen, desto leichter wird es dir fallen, dich von ihnen zu distanzieren.

Der Weg des Herzens beruht auf Vertrauen. Letztlich führt er zu immer mehr Selbstvertrauen in deine eigene Kraft, in die Verbindung zu deinem wahren Selbst. Je mehr du dir über dich selbst bewusst wirst – über das, was du wirklich bist und das, von dem du dachtest, du wärst es – desto größer wird dein Selbstbewusstsein. Je mehr du dir angewöhnst, der Stimme deines Herzens zuzuhören und ihr Folge zu leisten, desto lauter wirst du sie vernehmen und desto leichter und schneller wirst du vorankommen.

Nur du weißt, wohin dein Weg dich führt. Vielleicht denkst du auch, du weißt es nicht, doch deine Seele weiß es mit Sicherheit. Sie leitet dich, folge einfach deinem Herzen und mache einen Schritt nach dem anderen. Auf dieser Reise ist nicht alles nur Licht und Liebe, Zuckerwatte und Limo oder Bio-Cracker und Kombucha. Oft ist die Arbeit am eigenen Bewusstsein mühselig und ätzend. Aber sie lohnt sich! Sie ist der Weg in die Freiheit. Manchmal müssen wir einen Schritt zurück gehen, um dann zwei Schritte nach vorne machen zu können. Persönliche Weiterentwicklung geht immer in beide Richtungen: Je höher du hinaus willst, desto tiefer musst du gehen! Wenn du richtig tief gehen möchtest, dann melde dich für mein Break-your-Cage-Coaching-Programm an!


© Anne-Marie Sterr 2020
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